LSG Newsletter 11/2010

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Newsletter-AbonnentInnen,

im siebten Newsletter der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern stellen wir Ihnen unseren türkischsprachigen Flyer sowie unsere neuen Materialien für das Praxishandbuch Glücksspiel vor und informieren Sie über das Angehörigen-Projekt ETAPPE.

Um Ihnen einen Überblick über die ambulante Versorgung in Bayern zu geben, präsentieren wir Ihnen unsere Studie zum Thema „Behandlung pathologischer und problematischer Glücksspieler durch Psychologische Psychotherapeuten“ und geben Ihnen die Suchtberatungsstellen bekannt, die bereits eine Zulassung zur ambulanten Reha erhalten haben.

In unserer Rubrik „Kurz gemeldet“ berichten wir über die problematische Ansiedelung von Spielhallen, die selbst vor Behandlungsstellen für Glücksspielsucht keinen Halt machen, und über das Problem der Ausbreitung von Online-Glücksspielangeboten in sozialen Netzwerken, wie beispielsweise auf Facebook.

Abschließend stellen wir Ihnen in unserem Literaturreferat das Konzept des „Gambling Involvement“ vor.

(Ir-Ga)


Inhalt

  1. Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern entwickelt türkischsprachigen Flyer
  2. Entlastungstraining für Angehörige pathologischer und problematischer Glücksspieler -psychoedukativ (ETAPPE)
  3. Aktualisierung des Praxishandbuchs Glücksspiel
  4. Studie zur Behandlung pathologischer Glücksspieler durch Psychologische Psychotherapeuten in Bayern
  5. Drei weitere Suchtberatungsstellen des Kompetenznetzwerks erhalten die Zulassung zur ambulanten Rehabilitation
  6. Unterstützung der Selbsthilfe durch die Landesstelle Glücksspielsucht
  7. Schwarzlichttheaterstück zum Thema Glücksspielsucht
  8. Kurz gemeldet
  9. Literaturreferat

1. Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern entwickelt türkisch-sprachigen Flyer

Die ersten Ergebnisse der bayerischen Versorgungsstudie zeigen, dass der Anteil der pathologischen Glücksspieler mit türkischer Staatsangehörigkeit mit 7,1% den größten Anteil an pathologischen Glücksspielern mit Migrationshintergrund ausmacht. Da davon auszugehen ist, dass aufgrund von Sprachschwierigkeiten nicht alle Glücksspieler mit Migrationshintergrund an der Studie teilgenommen haben, ist es wahrscheinlich, dass es sich um einen weitaus höheren Anteil handelt. Um dieser Erkenntnis Rechnung zu tragen, hat die Landesstelle Glücksspielsucht einen türkisch-sprachigen Flyer entwickelt, der in Kürze erscheinen soll. Der Flyer wird bayernweit verteilt und soll Betroffenen sowie Angehörigen mit türkischem Migrationshintergrund helfen, Glücksspielsucht zu erkennen, als Krankheit zu verstehen und entsprechende Unterstützungsangebote zu finden. Der Flyer wird auf unserer Homepage www.lsgbayern.de zu finden sein.

Quelle: Stellungnahme der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern zur strukturierten Anhörung zum Thema „Zukunft des Glücksspielwesens in Deutschland“ vom 06.04.2010
(http://mpk.rlp.de/...)
(Ir-Ga)

2. Entlastungstraining für Angehörige pathologischer und problematischer Glücksspieler – psychoedukativ (ETAPPE)

Das Entlastungstraining ETAPPE für Angehörige von pathologischen und problematischen Glücksspielern wurde im Herbst 2010 in Kooperation mit den Beratungsstellen vor Ort erfolgreich an vier Pilotstandorten in Bayern gestartet: Bayreuth, Ingolstadt, München und Nürnberg.

Das Angebot wird sowohl quantitativ als auch qualitativ sehr gut angenommen: So konnte in allen Standorten mit stabilen Gruppengrößen von 8-10 Personen gestartet werden. Die ersten Rückmeldungen aus den jeweiligen Gruppen zeigen, dass das Entlastungstraining ETAPPE schon in den ersten Modulen von den Angehörigen als hilfreich und entlastend erlebt wird.

Zum Jahreswechsel werden die sieben Gruppentreffen jeweils beendet sein. Im Anschluss wird die Pilotphase mit dem Start von zwei weiteren Gruppen fortgesetzt.

Nach Abschluss der Pilotphase werden die Ergebnisse ausgewertet, in manualisierter Form zusammengefasst und den Beratungsstellen zugänglich gemacht.

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(Wi)

 

3. Aktualisierung des Praxishandbuchs Glücksspiel

Auch in diesem Newsletter halten wir wieder mit einer Erweiterung für das Praxishandbuch vor, die sich durch das ebenfalls aktualisierte Inhaltsverzeichnis problemlos in den Ringordner einordnen lässt.

Als neuen Baustein wurde für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit eine Übersicht über die Kampagnenmaterialien zum Einsatz in den Praxisstellen (Kapitel VI 4) erarbeitet. Des Weiteren gibt es für die Beratungspraxis Seminarunterlagen und eine Ideensammlung zum Thema Selbsthilfe auf den Weg bringen – von der angeleiteten Gruppe zur Selbsthilfegruppe, die von Frau Theresa Keidel (SeKo Bayern) zur Verfügung gestellt wurden (Kapitel V 7).

Alle neuen Bausteine sind auf der Homepage unter Praxishandbuch Glücksspiel veröffentlicht und zum Herunterladen bereitgestellt.

Sollten Sie noch kein Exemplar unseres Praxishandbuchs Glücksspielsucht haben, können Sie das Handbuch bayernweit kostenlos auf der Homepage unter Materialbestellung oder direkt unter info@lsgbayern.de bestellen.

(Ir-Ga)

4. Studie zur Behandlung pathologischer Glücksspieler durch Psychologische Psychotherapeuten in Bayern

Mit Unterstützung der Bayerischen Landeskammer der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (PTK) hat das IFT im Rahmen der LSG eine Befragung durchgeführt, bei der die Fallzahl pathologischer Glücksspieler bei niedergelassenen Psychologischen Psychotherapeuten (PPT) ermittelt wurde. Die Schätzungen geben einen ersten Anhaltspunkt dafür, wie weit die Behandlung von Personen mit einer Glücksspielproblematik bei PPT in Bayern verbreitet ist.

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(Sa)

5. Drei weitere Suchtberatungsstellen des Kompetenznetzwerks Glücksspielsucht erhalten die Zulassung zur ambulanten Rehabilitation

Aufgrund der Komplexität der Antragsstellung war die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern bei der Initiierung und Umsetzung von ambulanter Reha begleitend und unterstützend in den Suchtberatungsstellen des Kompetenznetzwerks tätig. Durch die Hilfestellung haben bereits drei weitere Suchtberatungsstellen des Kompetenznetzwerks die Anerkennung der Rentenversicherung erhalten. Bayernweit gibt es derzeit bereits sieben Suchthilfeeinrichtungen, die eine ambulante Rehabilitationsbehandlung anbieten. Die Anerkennung zur ambulanten Rehabilitation haben bisher die Suchtberatungsstellen Donauwörth mit Außenstellen in Nördlingen und Dillingen, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach und die Klientenzentrierte Problemberatung Dachau mit Filiale in München erhalten. Weitere Suchtberatungsstellen haben die Anerkennung beantragt, so dass davon auszugehen ist, dass sich die Versorgung in Bayern, im Bereich der ambulanten Rehabilitation, signifikant verbessern wird.

(Ir-Ga)

6. Unterstützung der Selbsthilfe durch die Landesstelle Glücksspielsucht

Die Unterstützung der Selbsthilfe durch die Landesstelle Glücksspielsucht ist eines der Ziele und Aufgaben der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern. Daher bietet die Landesstelle seit ihrer Gründung allen Selbsthilfegruppen in Bayern fachliche Unterstützung in Form von Fortbildungsmöglichkeiten und Kooperation im Rahmen des Betroffenenbeirats pathologisches Glücksspielen an.

Die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern hat außerdem die Möglichkeit, Projekte finanziell zu fördern. Auf diese Weise konnte der Selbsthilfegruppe in Neumarkt ein Roll-Up finanziert werden.

Sollten Sie an einer Kooperation oder Unterstützung interessiert sein und mehr darüber erfahren wollen, können Sie sich unter vanessa.irles-garcia@lsgbayern.de melden.

(Ir-Ga)

7. Schwarzlichttheaterstück zum Thema Glücksspielsucht

Dipl.-Soz.-Päd. (FH) Stephanie Rost von der Fachstelle Glücksspielsucht Bamberg/Forchheim erarbeitet derzeit, zusammen mit dem Forchheimer Arbeitskreis Sucht (FAkS), ein Schwarzlicht-Theaterstück zum Thema Glücksspielsucht. Das Stück soll im kommenden Jahr seine Premiere feiern und wird ab dem Zeitpunkt für Veranstaltungen zu buchen sein.

Bei Interesse erhalten Sie nähere Informationen unter folgenden Kontaktdaten:

Psychosoziale Beratung und Behandlung für Suchtkranke im Stadt- und Landkreis Bamberg
Dipl.-Soz.-Päd. (FH) Stephanie Rost

psbforchheim@caritas-bamberg.de
Tel.: 09191/707212
Birkenfelder Straße 15
91301 Forchheim

(Ir-Ga)

8. Kurz gemeldet

8.1. Nachbarn wider Willen: Tagesreha gegen Glücksspielsucht und Spielcasino

In Bayreuth befinden sich bald eine Rehabilitationsklinik, die u.a. auch auf Glücksspielsucht spezialisiert ist, und eine Spielhalle unter einem Dach. Während im dritten Stock des Gebäudes Personen mit Glücksspielproblemen behandelt werden, laufen im Erdgeschoss die Vorbereitungen zur Eröffnung eines 300 Quadratmeter großen Joker Casinos.

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(Sa)

 

8.2. Online-Glücksspiele bei Facebook, Twitter & Co.

Online-Glücksspielbetreiber haben Glücksspielapplikationen für soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter entwickelt. Anhand von Fanseiten und Austauschmöglichkeiten im Chat zielen die Anbieter darauf ab, neue Kunden für gebührenpflichtige Online-Glücksspiele zu gewinnen bzw. bestehende Kunden langfristig zu binden.

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(Sa)

8.3. Literaturhinweis

Kürzlich erschien auf den Internetseiten der Fachzeitschrift „Psychotherapie Psychosomatik Medizinische Psychologie“ als Internet-Vorabpublikation ein umfassender und fundierter Überblick zum Thema pathologisches Glücksspielen:

Buchner U. G./Wodarz, N. Pathologisches Glücksspielen - aktueller Stand des Wissens

Dieser Artikel kann abgerufen bzw. erworben werden unter: https://www.thieme-connect.de/ejournals/toc/ppmp/efirst (Veröffentlichungsdatum 04. August 2010)

(Wi)

9. Literaturreferat

Der „British Gambling Prevalence Survey 2007“: Das Konzept des Gambling Involvement“

Unter Gambling Involvement versteht man das Involviertsein, die Verstrickung in das Glücksspielen. Beim British Gambling Prevalence Survey 2007 wurde dies durch die Anzahl der Spielarten ausgedrückt, die ein Betroffener im Laufe eines Jahres spielte. Für diesen Survey wurden über 9000 Erwachsene aus der Normalbevölkerung zu ihrem Spielverhalten und zu etwaigen Symptomen pathologischen Glücksspielens befragt. LaPlante et al. untersuchten, welche der Befragten drei oder mehr Symptome zeigten. Dabei fanden sie Hinweise darauf, dass nicht die Art des Spiels (z. B. Lotto vs. Online-Wetten), sondern die Anzahl der gespielten Spielarten (also das Involviertsein) eines Betroffenen vorhersagte, ob dieser ein problematisches Spielverhalten zeigt oder nicht.

Quelle: LaPlante, D. A., Nelson, S. E., LaBrie, R. A., & Shaffer, H. J. (2009). The relationships between disordered gambling, type of gambling, and gambling involvement in the British Gambling Prevalence Survey 2007. European Journal of Public Health, epub ahead of print.

 

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(Wi)

 

Weitere Informationen zur Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern finden Sie auf unserer Homepage unter www.lsgbayern.de

Für Rückfragen können Sie uns jederzeit per E-Mail oder telefonisch erreichen.

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Redaktion: Vanessa Irles-Garcia (Ir-Ga), Monika Sassen (Sa), Susanne Winter (Wi).

Mit freundlichen Grüßen aus München

Andreas Czerny

Geschäftsführer der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern