Pressemitteilung
90.000 rote Karten für Sportwetten
08. Juni 2026
Mit dem Start der Fußball-WM 2026 rückt nicht nur der Sport in den Fokus der Öffentlichkeit, sondern auch ein Geschäft, das untrennbar mit Großereignissen dieser Art verknüpft ist: Sportwetten. Die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG) warnt aus diesem Anlass eindringlich davor, Sportwetten als harmlosen Bestandteil des Fußballerlebnisses darzustellen. Denn bei aller Inszenierung als Unterhaltung gilt: Sportwetten sind und bleiben Glücksspiel – mit einem erheblichen Suchtpotenzial. Jährlich werden in Deutschland rund zwei Milliarden Euro bei Sportwetten verloren. Um diesen Fakt verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, wird die LSG zum WM-Start in hunderten bayerischen Kneipen 90.000 rote Karten auslegen lassen – alle mit der klaren Ansage:
Sportwetten sind Glücksspiel!
Konrad Landgraf, Suchtexperte und Geschäftsführer der LSG: „90.000 rote Karten für Sportwetten, das ist unsere unmissverständliche Botschaft. Sportwetten werden von der Glücksspielindustrie äußerst geschickt und gezielt als emotionaler Teil des Spiels inszeniert. Das Problem ist aber, dass viele Menschen dadurch das Bewusstsein dafür verlieren, dass sie echtes Geld einsetzen und reale Risiken eingehen. Sportwetten sind kein harmloser Spaß, sondern Glücksspiel mit einem hohen Suchtpotenzial.“
Seit Jahren kritisiert Landgraf die massive Präsenz von Wettanbietern, insbesondere bei Fußballspielen: „Ob im Fernsehen, im Internet, über Sponsoring im Profisport oder über Social Media – Werbung für Sportwetten ist nahezu allgegenwärtig und vermittelt vielen Menschen das Gefühl, das Tippen auf Spielergebnisse sei ein normaler, risikofreier Zeitvertreib.“ Und Sportwettenwerbung, da ist sich Landgraf sicher, trägt dazu bei, Menschen überhaupt erst zum Glücksspiel zu bewegen oder bestehendes Spielverhalten zu intensivieren.
Die Glücksspielindustrie hat im Jahr 2025 über 600 Millionen Euro für Werbung ausgegeben. Damit gehört sie zu den Top 10 aller Branchen, was die Werbeausgaben angeht. Mit Vehemenz kämpfen Glücksspielanbieter um Aufmerksamkeit – und ihre Botschaften sind gerade im sportlichen Kontext unübersehbar. Landgraf betont: „Wir stehen hier vor einem klassischen Fall von David gegen Goliath. Während die Glücksspielindustrie über extrem hohe Mittel für Werbung verfügt, sind die Budgets, die für Präventionskampagnen zur Verfügung stehen, sehr gering.“
Die Struktur moderner Wettangebote verschärft die Risiken zusätzlich. Durch Live-Wetten, schnelle Spielzyklen und permanente Verfügbarkeit via Smartphone entsteht eine Dynamik, die impulsives Verhalten begünstigt und Kontrolle erschwert. Für einen Teil der Spielenden entwickelt sich daraus eine Abhängigkeit mit oft drastischen Folgen. Dazu zählen psychische Belastungen wie Depressionen, Angstzustände und zunehmender Verlust der Selbstkontrolle. Gleichzeitig geraten viele Betroffene in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, die bis zu Überschuldung und Existenzgefährdung reichen können. Auch das soziale Umfeld leidet massiv – Konflikte in Partnerschaften und Familien sind häufig die Folge.
Die LSG fordert als ersten Schritt, dass die Werbung für Sportwetten deutlich eingeschränkt werden muss. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass für Sportwetten rund um die Uhr Werbung gemacht werden darf. Für Sportwetten müssen endlich die gleichen Einschränkungen gelten wie für andere Glücksspiele auch“, sagt Landgraf. Außerdem bräuchte es große öffentlichkeitswirksame Aufklärungskampagnen zu den Risiken von Sportwetten und anderen Glücksspielen.
Die WM 2026 bietet aus Sicht der LSG nicht nur Anlass zur sportlichen Begeisterung, sondern auch zur gesellschaftlichen Verantwortung. Sport sollte für Fairness, Gemeinschaft und Freude stehen – nicht als Einfallstor für Glücksspielrisiken dienen.
Über die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern
Die Landesstelle Glücksspielsucht koordiniert bayernweit Prävention, Forschung, Beratung und Hilfe rund um das Thema pathologisches Glücksspielen. Sie besteht seit Juni 2008 und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention finanziert. Kooperationspartner sind die Bayerische Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen BAS gGmbH, der Betreiberverein der Freien Wohlfahrtspflege Landesarbeitsgemeinschaft Bayern für die Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern e.V. und das IFT Institut für Therapieforschung gGmbH. Die LSG arbeitet fachlich unabhängig und ist nicht weisungsgebunden.
Ansprechpartner
Thomas Baur
Referent für Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit
Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern
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