Presse-Facts

Aktuell liegen für Deutschland Informationen aus elf Bevölkerungsumfragen zum Glücksspielverhalten und pathologischen Glücksspielen in der Allgemeinbevölkerung vor (Stand: Juni 2021). Die neueste Studie der BZgA weist eine Prävalenz bei pathologischem Glücksspielen von 0,3% (Konfidenzintervall: (0,1-1,1%) aus. Basierend auf den aktuellsten neun Bevölkerungsumfragen ergibt sich für Bayern eine geschätzte Anzahl von 32.000 Personen mit pathologischem und geschätzten 34.000 Personen, bei denen ein problematisches Spielverhalten vorliegt.

 

Das IFT Institut für Therapieforschung hat anhand dieser und vorheriger Bevölkerungsstudien einen Kurzbericht zur Schätzung der Anzahl problematisch und pathologisch Glücksspielender in Bayern erstellt.

Der Bruttospielertrag ist die Differenz zwischen den Spieleinsätzen und den an die Glücksspielenden ausbezahlten Gewinnen. Dies ist gleichbedeutend mit dem Kasseninhalt und stellt somit den Verlust der Glücksspielenden dar.

Seit Menschengedenken werden Glücksspiele gespielt: Im Laufe der Geschichte wurden sie mal mehr, mal weniger restriktiver gehandhabt, ganz verschwunden sind sie jedoch nie. Deshalb – und auch um illegalem Glücksspiel entgegenzuwirken – wird Glücksspiel vom Staat nicht verboten. Vielmehr tritt der Staat aus diesem Grund neben anderen auch als Anbieter von Glücksspielen auf, um das Glücksspielen gemäß Glücksspielstaatsvertrag „in geordnete Bahnen“ zu lenken. Gleichzeitig unterhält der Staat ein professionelles Hilfesystem, um Betroffenen aus einer Abhängigkeit wieder herauszuhelfen.

In Bayern beläuft sich die Anzahl der Spielhallenstandorte aktuell auf 1.097 mit 20.563 Geldspielgeräten (ohne Gastronomie, ohne Kommunen unter 10.000 Einwohner, Arbeitskreis gegen Spielsucht e.V., Stand 2020).

 

Unsere Datenbank Spielhallen und Geldspielgeräte in Bayern liefert schnell die relevanten Daten zu Angebotsstruktur und Spielverlusten aller größeren bayerischen Kommunen (über 10.000 Einwohner).

 

Das Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation ICD-10 (nach dem in Deutschland Diagnosen im Gesundheitswesen vergeben werden) ordnet pathologisches Spielen den abnormen Gewohnheiten und Impulskontrollstörungen (F63.0) zu (Dilling, H., Mombour, W., & Schmidt, M. H. (1991). Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien. Genf: Weltgesundheitsorganisation). Dort heißt es: „Die Störung besteht in häufigem und wiederholtem episodenhaftem Glücksspiel, das die Lebensführung der betroffenen Person beherrscht und zum Verfall der sozialen, beruflichen, materiellen und familiären Werte und Verpflichtungen führt.“ Diagnosekriterien siehe unten. Im DSM-5 (American Psychiatric Association. (2013). Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen (5. Aufl.). Arlington, VA:. American Psychiatric Publishing) wird diese als Störung durch Glücksspielen bezeichnet, sie ist den Abhängigkeitserkrankungen zugeordnet und mit folgenden Merkmalen definiert: andauerndes und wiederkehrendes fehlangepasstes Spielverhalten, das sich in zumindest vier der folgenden neun klinischen Diagnosekriterien ausdrückt:

 

Diagnosekriterien für pathologisches Glücksspielen („Störung durch Glücksspielen“) nach DSM-5

  • Notwendigkeit des Glücksspielens mit immer höheren Einsätzen, um eine gewünschte Erregung zu erreichen
  • Unruhe und Reizbarkeit bei dem Versuch, das Glücksspielen einzuschränken oder aufzugeben
  • Wiederholte erfolglose Versuche, das Glücksspielen zu kontrollieren, einzuschränken oder aufzugeben
  • Starke gedankliche Eingenommenheit durch Glücksspielen (z.B. starke Beschäftigung mit gedanklichem Nacherleben vergangener Spielerfahrungen, mit Verhindern oder Planen der nächsten Spielunternehmung, Nachdenken über Wege, Geld zum Glücksspielen zu beschaffen)
  • Häufiges Glücksspielen in belastenden Gefühlszuständen (z.B. bei Hilflosigkeit, Schuldgefühlen, Angst, depressiver Stimmung)
  • Rückkehr zum Glücksspielen am nächsten Tag, um Verluste auszugleichen („Chasing“, d.h. dem Verlust „hinterherjagen“)
  • Belügen anderer, um das Ausmaß der Verstrickung in das Glücksspielen zu vertuschen
  • Gefährdung oder Verlust einer wichtigen Beziehung, eines Arbeitsplatzes, von Ausbildungs- oder Aufstiegs­chancen aufgrund des Glücksspielens
  • Verlassen auf finanzielle Unterstützung durch andere, um die durch das Glücksspielen verursachte finanzielle Notlage zu überwinden

Quelle: Wittchen et al., 2015

Sind 4 bis 5 Symptomkriterien erfüllt, spricht man von einem leichten Schweregrad, bei 6 bis 7 Symptomkriterien ist ein mittlerer Schweregrad gegeben, ab 8 bis 9 Symptomkriterien ergibt sich ein schwerer Schweregrad.

 

Diagnosekriterien für pathologisches Glücksspielen („Pathologisches Spielen“) nach ICD-10 (F63.0)

  • Wiederholte (zwei oder mehr) Episoden von Glücksspiel über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr
  • Diese Episoden bringen den Betroffenen keinen Gewinn, sondern werden trotz subjektivem Leidensdruck und Störung der Funktionsfähigkeit im täglichen Leben fortgesetzt
  • Die Betroffenen beschreiben einen intensiven Drang zu spielen, der nur schwer kontrolliert werden kann. Sie schildern, dass sie nicht in der Lage sind, das Glücksspiel durch Willensanstrengung zu unterbrechen
  • Die Betroffenen sind ständig mit Gedanken oder Vorstellungen vom Glücksspiel oder mit dem Umfeld des Glücksspiels beschäftigt

Quelle: Dilling, 2006

Eine schwächere Ausprägung, ohne dass eine Diagnose pathologisches Glücksspielen vorliegt, wird oft als problematisches Glücksspielen bezeichnet. Für diese Form des Glücksspielens liegt keine einheitliche Definition vor.

 

Am 1. Januar 2022 soll die ICD-11 in Kraft treten. Pathologisches Glücksspiel wird im neuen Diagnosesystem erstmals im Suchtkapitel (Disorders due to substance use or addictive behaviours) aufgeführt und nicht wie bisher als Impulskontrollstörung kategorisiert. Neben der bedeutsamen Beeinträchtigung in der funktionalen Lebensbewältigung durch das Spielen als grundlegende Voraussetzung, werden drei weitere Kriterien definiert: Kontrollverlust, Interessenverlust und Fortführung des Konsums trotz negativer Konsequenzen. Außerdem kann kodiert werden, ob es sich um Online-Glücksspiel handelt.

Wie bei anderen Suchterkrankungen auch reicht das Hilfsangebot für Menschen mit glücksspielbezogenen Problemen von Selbsthilfegruppen über die kostenlose Beratung in Suchtberatungsstellen bis hin zu ambulanten, teilstationären und stationären Rehabilitationsbehandlungen (Therapien). Ergänzend dazu gibt es spezielle Telefonhotlines und verschiedene Online-Informations- und Beratungsangebote sowie Online-Foren für den Austausch von Betroffenen untereinander.

 

In Bayern hat die LSG ein umfassendes Hilfsangebot eingerichtet: In 22 über Bayern verteilte Suchtberatungseinrichtungen gibt es spezialisierte Fachstellen, die Glücksspielende und deren Angehörige versorgen. Sie werden von der LSG finanziert. Gemeinsam mit weiteren 48 von der LSG geförderten Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe und dem Betroffenenbeirat Bayern Stimme der SpielerInnen bilden sie das „Kompetenznetzwerk Glücksspielsucht“.

 

Die Mitarbeitenden der teilnehmenden Beratungsstellen werden von der LSG speziell gefördert, qualifiziert und fortgebildet, um Hilfesuchenden eine qualifizierte Beratung oder Behandlung anbieten zu können.

 

Daneben bietet die LSG eine türkischsprachige Hotline, die Online-Beratungsplattform PlayChange sowie in 14 Sprachen zahlreiche Informationen über das Thema sowie einen Selbsttest an. Außerdem hat die LSG die App PlayOff in Deutsch und Türkisch für Smartphones entwickelt, mit der Glücksspielende ihr Spielverhalten dokumentieren und je nach persönlicher Zielsetzung beobachten, reduzieren oder ganz beenden können.

 

Weitere Infos: www.verspiel-nicht-dein-leben.de

Es existiert keine eindeutige Spielercharakteristik, häufige Merkmale sind:

  • Geschlecht und Alter (junge Männer sind besonders gefährdet)
  • Persönlichkeitsstruktur (ausgeprägte Impulsivität, geringe Impulskontrolle, externale Kontrollüberzeugungen)
  • Zusammenhang zwischen Störung durch Glücksspielen und Depressionen sowie Angststörungen (nicht kausal interpretierbar, bei Frauen erhöhter als bei Männern)

 

Die meisten Glücksspielerinnen und Glücksspieler lassen sich nach Meyer & Bachmann (2017) einer der folgenden Gruppen zuordnen:

Es gibt nicht eine dominante Ursache, weder in der Art oder Struktur des Glücksspiels, noch in den Merkmalen der Glücksspielenden oder den sozialen Rahmenbedingungen. Das „Vulnerabilitäts-Stressmodell“ (Wittchen, Lieb & Perkonigg, 1999) geht davon aus, dass es frühe Vulnerabilitätsfaktoren gibt (genetische Einflüsse, frühkindlicher Stress, andere psychische Störungen, insbesondere Impulskontrollstörungen und Störungen der kognitiven Kon­trolle über das eigene Verhalten), die zusammen mit Stressoren in der akuten Zeit (externale Kon­trollüberzeugungen, soziale Defizite, akute Lebenskrisen, Merkmale der Glücksspiele) sowie mit den ersten Glücksspielerfahrungen (zufälliger höherer Erstgewinn) das Risiko bestimmen, eine Störung durch Glücksspielen zu entwickeln.

Basierend auf den Merkmalen Ereignisfrequenz, multiple Spiel- und Einsatzgelegenheiten, Gewinnwahrscheinlichkeit, Ton- und Lichteffekte, variable Einsatzhöhe, Verfügbarkeit, Jackpot, Auszahlungsintervall, Beinahe-Gewinne und Kontinuität des Spiels wurde das Gefährdungspotenzial verschiedener Glücksspiele für das Entwickeln glücksspielbezogener Probleme beim Spielen ermittelt (Meyer et al., 2010). Es zeigt sich ein vergleichsweise höheres Risiko für Glücksspielprobleme beim Spielen an Glücksspiel- oder Geldspielautomaten gegenüber Lotterien und Lotto (siehe Abbildung). Als besonders gefährlich erweisen sich aufgrund der permanenten Verfügbarkeit und struktureller Charakteristika Online-Glücksspiele (Chóliz, 2015; Meyer et al., 2017).

Angehörige leiden unter den negativen sozialen, emotionalen und finanziellen Auswirkungen. Um das Risiko der Angehörigen für eine eigene Erkrankung zu reduzieren, ist die Vermittlung funktionaler Strategien zur Bewältigung der Situation hilfreich. Daher ist es wichtig, mit ihnen gesundheitsfördernde Maßnahmen zu erarbeiten und sie in ihren Rechten zu stützen. Angehörige von Glücksspielenden können sich wie die Betroffenen selbst kostenlos Unterstützung in einer Suchtberatungsstelle holen. Neben Einzelgesprächen werden hier oft spezielle Gruppenangebote für Angehörige vorgehalten. Auch Telefonhotlines und Online-Angebote können von Angehörigen genutzt werden. Mancherorts finden sich Selbsthilfegruppen für Angehörige von betroffenen Glücksspielenden allgemein oder für den Bereich pathologisches Glücksspielen.

 

Die LSG hat für Angehörige von pathologischen Glücksspielenden vier Angebote entwickelt:

LOSgelöst und EfA sind zwei niedrigschwellige, kostenlose E-Mental-Health-Angebote. In Form von kurzen Infovideos (bei LOSgelöst) oder Texten und Audiodateien (bei EfA) können sich die Angehörigen über verschiedene Themen wie Selbstfürsorge, Geldmanagement oder den Umgang mit Rückfällen informieren. In interaktiven Übungen können die Inhalte vertieft werden. LOSgelöst und EfA finden Sie auf Verspiel nicht mein Leben.

 

Für die Präsenzberatung wurde ein Gruppenprogramm (ETAPPE) und eine Kurzintervention für das Einzelsetting (GlücksKIT) entwickelt. Ziel von ETAPPE ist eine Reduktion der Belastung der Angehörigen durch die Vermittlung von Informationen sowie die Förderung individueller Bewältigungsfähigkeiten. Besonders wertvoll ist hier auch der Austausch mit anderen Angehörigen im Rahmen des Gruppensettings. Mit der Kurzintervention GlücksKIT, liegt seit diesem Jahr erstmals auch ein Manual für das Einzelberatungssetting vor. Das Manual von GlücksKIT besteht aus acht Themenbausteinen, mit Hilfe derer die Berater und Beraterinnen mit den Angehörigen zentrale Problemfelder eingrenzen und bearbeiten können.

Wie alle schwerwiegenden (psychischen) Erkrankungen eines Elternteils stellt auch das pathologische Glücksspielen eines Elternteils einen Belastungsfaktor für die Kinder dar. Hinzu kommt beim pathologischen Glücksspielen meist eine prekäre finanzielle Situation der Familie. Analog zu anderen Suchterkrankungen und psychischen Erkrankungen ist davon auszugehen, dass durch die Erkrankung eines Elternteils für die Kinder das Risiko steigt, später selbst eine psychische Erkrankung zu entwickeln (Hayer T, Bernhart C, Meyer G (2006). Kinder von pathologischen Glücksspielern: Lebensbedingungen, Anforderungen und Belastungen. Abhängigkeiten 2/06: 60-77).

Ja, pathologisches Glücksspielverhalten (Glücksspielsucht) ist unter dem Code „pathologisches Spielen“ (ICD-10, WHO) als psychische Störung anerkannt. Für diese Störung gibt es in Deutschland seit 2001 eine Vereinbarung der Spitzenverbände der Krankenkassen und Rentenversicherungsträger für die medizinische Rehabilitation bei Glücksspielsucht. Aus diesem Grund müssen sowohl die Rentenversicherungsträger als auch die Krankenkassen notwendige Behandlungs- und Rehabilitationsmaßnahmen finanzieren.

Die stationäre Therapie (stationäre Rehabilitation) pathologisch Glücksspielender findet in der Regel in einer Sucht- oder psychosomatischen Klinik statt, die hierfür ein spezielles Angebot vorhält. Die Dauer liegt bei vier bis zwölf Wochen. Ambulante Therapie (ambulante Rehabilitation) findet in der Regel in Suchtberatungsstellen mit entsprechender Zulassung statt. Die Dauer beträgt zwischen sechs und 18 Monaten. Der Vorteil einer stationären Suchtbehandlung liegt darin, dass sich die Patientin oder der Patient – losgelöst vom problematischen Umfeld – intensiv mit der eigenen Glücksspielproblematik auseinandersetzen kann. Der Vorteil einer ambulanten Rehabilitation liegt in den direkt in den Lebensbezügen anwendbaren therapeutischen Erkenntnissen.

In der Regel weisen Glücksspielende über die Dauer von vier bis zehn Jahren ein regelmäßiges Spielverhalten auf, bevor sie Probleme wahrnehmen und eine Beratungsstelle aufsuchen (Petry, 2005). So lag die Dauer der Problematik bei der Klientel von Suchtberatungsstellen in etwa bei neun bis zehn Jahren (Meyer, 1999, beides zitiert nach Meyer & Bachmann, 2017).  Zudem nehmen ohnehin nur etwa 10% der Personen mit problematischem Glücksspielverhalten Hilfe in Anspruch (Loy et al., 2018).

Veranstalter und Vermittler von öffentlichen Glücksspielen sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Glücksspielenden zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Spielen anzuhalten und der Entstehung von Glücksspielsucht vorzubeugen. Zu diesem Zweck müssen sie Sozialkonzepte vorhalten, in denen spielerbezogene, personalbezogene und administrative Maßnahmen zum Spielerschutz aufzuzeigen sind. Jedes Sozialkonzept muss an das jeweilige Spieleangebot angepasst sein.

Bei der Spielersperre handelt es sich um eine Maßnahme des Spielerschutzes. Für alle legalen Glücksspielformen mit hohem Suchtrisiko (z.B. Automatenspiele, Sportwetten, Casino-Spiele) ist der Anschluss an ein bundesweit einheitliches Sperrsystem verpflichtend. Diese Sperre kann sowohl durch die Glücksspielenden selbst (Selbstsperre) als auch durch den Spielanbieter oder Angehörige der Glücksspielenden (Fremdsperre) bei allen am Sperrsystem teilnehmenden Glücksspielanbietern oder direkt beim zuständigen Regierungspräsidium Darmstadt beantragt werden. Um die Spielsperre durchsetzen zu können, sind alle teilnehmenden Gücksspielanbieter vor Ort bzw. online zu einem Abgleich der personenbezogenen Daten mit der zentralen Sperrdatei gesetzlich verpflichtet.

Als Schutzmaßnahme kann die Spielersperre problematisch und pathologisch Glücksspielenden helfen, die Selbstkontrolle wiederzuerlangen und einen wichtigen Beitrag zur Reduktion der bestehenden Probleme leisten. Die Spielersperre ist als eine isolierte Maßnahme der Zugangsbeschränkung zu betrachten und darf nicht als Ersatz für Beratung oder Behandlung missverstanden werden.

Betroffene, die in den bayerischen Beratungsstellen nach Hilfe suchen, haben im Schnitt 24.000 Euro glücksspielbedingte Schulden. Pathologisch Glücksspielende weisen den höchsten Verschuldungsgrad aller Klientinnen und Klienten in Suchtberatungsstellen auf (Braun et al., 2013). Unter den stationär behandelten Spielenden haben 27,3 Prozent mehr als 25.000 Euro Schulden (Jahrbuch Sucht, 2018).

Studienergebnisse zur Anzahl der mitbetroffenen Menschen aus dem Umfeld pathologisch Glücksspielender variieren zwischen 1,1 Prozent (Berndt et al., 2017) und fast 20 Prozent der Allgemeinbevölkerung (Buchner et al., 2017). Es ist davon auszugehen, dass pro erkrankter Person mit einer Störung durch Glücksspielen weitere sechs bis 15 Personen ebenfalls von den Folgen betroffen sind.

Der Betroffenenbeirat Bayern Stimme der SpielerInnen wurde im Januar 2018 gegründet. Im Rahmen eines Gründungstreffen haben sich zwölf von einer Glücksspielsucht betroffene Männer und Frauen mit Unterstützung der LSG zu einem selbstständigen Gremium organisiert. Der Beirat ist nicht nur für direkt Betroffene, sondern auch für Angehörige von Menschen mit einer Glücksspielproblematik offen. Die Mitglieder treffen sich mehrmals im Jahr und sind über Telefon und E-Mail sowohl untereinander als auch mit der LSG vernetzt. Der Beirat bringt sich in die Arbeit der LSG ein und tauscht sich auch zu Themen wie Prävention, Spieler- und Jugendschutz, Werbebeschränkungen, Glücksspielrecht und dessen Umsetzung aus. Bei Bedarf bezieht er auch (öffentlich) Stellung. Er vernetzt sich mit Beratungs- und Behandlungsstellen und tritt mit den bayerischen Ordnungsbehörden und der Lokalpolitik in Kontakt. Ein wichtiges Ziel des Beirats ist es, dass Glücksspielsucht von der Öffentlichkeit als gesellschaftliches Problem und nicht nur als Problematik von Betroffenen und Angehörigen wahrgenommen wird. Neben dem Spieler- und Jugendschutz soll sich auch die Versorgung von betroffenen Spielerinnen und Spielern verbessern. Website.